Die geborene Führungskraft ist leider … – Von Bernd Kollmann

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            … ist leider so selten wie der große Lottogewinn.

 

Führungskraft zu sein, ist ein regelrechter Ausbildungsberuf. Fragen Sie mal die „alten Hasen“. Diese Ausbildung wird den Nachwuchskräften meist nicht bzw. nicht mehr zugestanden. Weder Zeit noch Budget werden in sinnvoller Weise zur Verfügung gestellt. Dabei wundern sich doch alle, wie es mit unserem Führungsniveau aussieht. Da denkt man über Teamevents nach, über Online-Module zur Mitarbeiterbindung, Employer Branding oder gesundheitsfördernde Maßnahmen in Form von Yoga und Co.. Methoden / Prozesse, die alle ihren Sinn haben, wenn sie richtig eingesetzt werden. Die Basis bildet dennoch immer ein gutes Führungs- / Mitarbeiterverhältnis. Oder wie sehen Sie das?

Neulich erlebt …

Frisch von der Uni, mit gutem Abschluss in einem wirtschaftlichen Studiengang, steht Martin Vertice (Name geändert) am Start seiner beruflichen Karriere.

Fester Job, unbefristet, gutes Gehalt, bekanntes mittelständisches Unternehmen und der Arbeitsplatz ist ohne Umzug erreichbar. Moderne Arbeitsumgebung, hoher technischer Standard. Jackpot! In der Probezeit wird Martin an allen relevanten Stellen des Unternehmens eingesetzt, um einen Überblick zu erhalten. Von Anfang an war klar, dass Martin nach der Probezeit als Nachwuchsführungskraft in dem Unternehmen starten wird.

Nun ist es soweit. Die Probezeit ist erfolgreich mit besten Bewertungen abgeschlossen. Drei Mitarbeiter sind zu führen. Das Team ist in Martins studiertem Fachgebiet angesiedelt, also alles vom Feinsten. Auf seine Frage, wie er denn die Führung leisten soll und wie er dabei unterstützt wird, bekam Martin vom Personalchef folgende Antwort: „Sie haben doch eine akademische Ausbildung mit einem erfolgreichen Abschluss. Jetzt machen Sie mal den Job ein paar Monate und wenn es partout nicht klappt, bekommen Sie einen Crash-Kurs vom Unternehmen spendiert. Führen ist aber nicht schwer und Sie als Akademiker können das sowieso.“

Heute, 16 Monate nach dem Start in diesem Unternehmen, sitzt Martin bei mir im Büro. Er hat eine Empfehlung bekommen und möchte ein Coaching bezüglich seiner beruflichen Zukunft haben. Er möchte wissen, wo sein Weg hinführen wird, denn so kann es nicht weiter gehen … In diesen gut 16 Monaten ist Martin laut eigener Aussage um Jahre gealtert und fühlt sich ausgelaugt und unglücklich. „Ich will nicht mehr verheizt werden“, ist seine klare Erkenntnis.

Ein Einzelfall? Nein!

Leider ist dieses „Phänomen“ sehr häufig in Unternehmen zu finden. Ganz egal welche Branche oder Firmengröße … Daraus resultiert eine immer wiederkehrende Situation:

Eine unzufriedene Führungskraft
(„Was wollen die überhaupt von mir? Nichts mache ich richtig.“),

demotivierte Mitarbeiter
(„Wieder so ein Jungspund. Mal schauen wie lange der durchhält … Wer nimmt Wetten an?“),

enttäuschte Personalverantwortliche
(„Er hat doch so einen guten Abschluss.“),

frustrierte Unternehmer
(„So ein Mist. Die Jungen taugen auch nichts mehr.“)

und eine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, die mehr als „bescheiden“ ist
(„Dort kann man nicht arbeiten. Da wirst Du verheizt.“).

Wie sieht es bei Ihnen aus? Ist Ihr Traumjob auch Führungskraft? Oder vergeben Sie den Traumjob Führungskraft gerade?

Dann die gute Nachricht: Es geht auch besser.

Führungskraft ist ein Fulltime-Job mit vielen Aufgaben. Die an Sie gestellten Anforderungen sind vielfältig:

  1. Persönliche Erwartungen und Vorgaben der Geschäftsleitung
  2. Unternehmensziele
  3. Monats- oder Quartalsziele
  4. Projektziele
  5. Kundenwünsche und -erwartungen
  6. Und nicht zuletzt die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter. Ganz individuell.

Denken Sie bitte daran, dass sie auf diese Punkte teilweise oder sogar überhaupt nicht aktiv Einfluss nehmen können.

Wenn Ihnen diese „Rahmenbedingungen“ klar sind und Sie weiter auf die Arbeit als Führungskraft setzen, dann schauen Sie sich die nachfolgenden, überlebenswichtigen Eigenschaften als geschätzte und erfolgreiche Führungskraft an:

  1. Kritikfähigkeit – Nutzen Sie die konstruktive Kritik Ihres Umfeldes als Chance. Ziehen Sie daraus Ihre Konsequenzen als relevanten Teil Ihrer Arbeit. Sehen Sie diese nicht als lästige Störung Ihres Daseins, sondern als Weg zur Führungskraft.
  2. Selbstreflexion – Die ersten beiden Punkte gehen Hand in Hand. Warten Sie nicht auf Kritik, sondern hinterfragen Sie Ihre Arbeit regelmäßig. Dies gilt ebenso für Ihre Entscheidungen, Erfolge und Misserfolge. Sie entscheiden dadurch besser und der nächste Schritt zur Führungskraft ist gemacht.
  3. Respekt – Klingt das für Sie seltsam? Nein, oder? Respekt gegenüber den Kollegen und Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden ist für eine Führungskraft selbstverständlich. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter deutlich spüren, dass Sie Ihre Arbeit und sie als Mensch wertschätzen und anerkennen. Dies gilt natürlich gerade dann auch, wenn Sie Kritik üben müssen.
  4. Entscheidungsfreudigkeit – Es gibt kaum eine größere Strafe als langsame Entscheider. Schlimmer sind nur noch die „Nacht-Entscheider“. Für jedes Unternehmen und speziell Ihr ganzes Team ist es die Lähmung pur. Seien Sie überlegt, aber zügig und stehen Sie zu den Konsequenzen.
  5. Kommunikation – Sie wissen ganz genau, wann und was Sie Ihren Mitarbeitern zu sagen haben? Dann brennt hier nichts an. Keine Sorge, Sie müssen nicht alle Entscheidungen diskutieren und erläutern. Mitarbeiter gehen nur lieber die „Extra-Meile“ wenn sie wissen, warum und wozu.
  6. Loyalität – Dies gilt in 3 Ebenen für Sie als Führungskraft. Gegenüber dem Unternehmen, also Ihrem Arbeitgeber und seinen Vorgaben. Ebenso gegenüber Ihren Mitarbeitern. Den Menschen, die ihren Einsatz fürs gemeinsame Ziel bringen. Und natürlich in allen Positionen, egal ob direkt oder indirekt, Ihren Kunden gegenüber. Hier ist eine der größten Klippen zu umschiffen, um allen dreien gerecht zu werden.
  7. Einfühlungsvermögen – Das bedeutet nicht, dass Sie mit Ihren Mitarbeitern „best friend forever“ sein müssen. Im Gegenteil. Das wird es oft nur unnötig schwerer machen. Sie sind aber gefordert, sich in Ihre Mitarbeiter einzufühlen, um Probleme und Unzufriedenheiten rechtzeitig zu erkennen. Sie haben keinen Haufen von Fachkräften vor sich, sondern Mitarbeiter und deren Fähigkeiten mit berechtigten menschlichen Aspekten. Darin liegt eine große Verantwortung für Sie als Führungskraft.
  8. Lernbereitschaft – Auf Grund der Kritikfähigkeit und Selbstreflexion ist es ganz hilfreich, aus diesen Erkenntnissen zu lernen. Sich selbst weiter zu entwickeln. Als Vorbild andere anzuregen, sich weiter zu entwickeln. Und nicht zuletzt haben Mitarbeiter verdammt oft richtig gute Ideen, die Ihnen abhanden kommen würden, wenn Sie nicht offen dafür sind.
  9. Intuition – Im Geschäftlichen wird die Intuition häufig belächelt. Zahlen, Daten und Fakten sind das Maß der Dinge. Weit gefehlt. Das ist die Fähigkeit, zu Ihren kompletten Informationen auch die Unbewussten einzubeziehen. Ihr absolutes Alleinstellungsmerkmal als Führungskraft. Denn hierbei kombinieren Sie Erfahrung, Informationen und Instinkte.
  10. Ehrgeiz – Im ganz positiven Sinne. Verfolgen Sie Ziele konsequent und mit voller Kraft, aber nicht skrupellos. Sie sind aber nicht als der alleinige Macher gefragt. Nutzen Sie die Fähigkeiten und Kompetenzen Ihres Teams, um gemeinsam Erfolg zu haben. Schmücken Sie sich mit der Fähigkeit, ein Team zu führen, das den Erfolg geschafft hat und nicht sie als Einzelner. Wenn Ihnen das widerstrebt, dann bleiben Sie lieber Experte und genießen den Erfolg alleine. Für Führungskräfte ist der Teamerfolg das Ziel.
  11. Egoismus – Ebenso im ganz positiven Sinne. Sie brauchen den gesunden Egoismus, um Ihre Ziele durchzusetzen, ungeliebte Entscheidungen zu treffen oder einfach nur um gesund zu bleiben. Diese Fähigkeit, sich auf sich selbst zu konzentrieren, ist notwendig in Ihrer Rolle als Führungskraft.

Wenn jetzt alles passt, dann haben Sie Ihren Traumjob gefunden. Zur Sicherheit investieren Sie in ein Führungskräftetraining oder Coaching, das Sie auf Ihrem Weg erfolgreich begleitet.

Wenn Sie Qualität wollen mit einer großen Nachhaltigkeit, dann achten Sie auf eine gezielte Analyse Ihres Führungsvermögens, eine langfristige Trainingsplanung mit Zeit zum Üben und reichlich Luft zur Reflexion. Ihre Ausbildung zur Führungskraft ist nicht von heute auf morgen zu „zaubern“. Sie bringen die passenden Eigenschaften und Werte mit, dann kann das Ziel erfolgreich anvisiert werden. „Von-heute-auf-morgen“-Veranstaltungen, z.B. in vier Tagen zur Führungskraft, kosten nur Geld und bringen keinen Investitionsgewinn. Gehen Sie dafür lieber in den Urlaub, wenn es zu stressig wird.

An dieser Stelle ist Konsequenz gefragt – auf dem Weg zu einem der tollsten Berufe der Welt: Geschätzte und erfolgreiche Führungskraft.

So macht es Martin jetzt und ist sich seiner Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten absolut bewusst. Er weiß, dass er Zeit und Unterstützung braucht und bekommt. Sein Arbeitgeber wurde auch überzeugt …

Danke für das Vertrauen in Ihren Mitarbeiter, in Ihre zukünftige Top-Führungskraft.

 

Bild by: Kurhan@fotolia.com

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