Und jetzt auch noch „Straining“ …

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In seinem Buch „Straining: Eine subtile Art von Mobbing“ (2014, ISBN 978-3-525-40365-5) erklärt Prof. Ege, dass es keiner Serie von feindseligen Handlungen (wie es fürs Mobbing definiert ist) bedarf, um einer Person das Leben im Job „schwer“ oder „unmöglich“ zu machen.

Eine! Einzige! Das soll wohl so sein? Alternative: Eine einzige (!) gezielte Aktion bzw. Handlung kann das „Opfer“ dauerhaft negativ beeinflussen. Für den Gerichtspsychologen Ege (als Gutachter in vielen Gerichtsverfahren des Mobbings (oder alternativ: zum Thema Mobbing) gefragt) ist es ein weit verbreitetes Phänomen, das extrem subtil funktioniert.

Wie funktioniert denn „Straining“?

Die Geschäftsleitung bzw. Personalleitung ist häufig in diesen Prozess eingebunden. Das große Ziel: Die Eliminierung der Person aus dem Unternehmen oder zumindest die Kaltstellung der unliebsamen Person ohne hohe Kosten. Wie das geht? Ganz einfach kraft der Hierarchie: Die „ausgewählte“ Person wird degradiert, isoliert oder wie Luft behandelt.

Bei einem Auftrag, den ich vor etlichen Jahren in einem mittelständischen Unternehmen hatte, erlebte ich folgende Situation: Die „unliebsame“ Führungskraft wurde über Monate ohne Aufgabe, Medien und direkten menschlichen Kontakt in ein Glasbüro mitten im Großraum gesetzt und musste acht (ist zwar kein Gesetzt, aber üblich, dass Zahlen von eins bis zwölf ausgeschrieben werden) Stunden anwesend sein. Das erklärte Ziel war, die Kündigung der „unkündbaren“ Person aus eigenen Stücken, um die hohen Kosten der Abfindung zu sparen.

Prof. Ege nennt dieses strategische Ziel für diesen Fall: Beseitigung. Er spricht von Entfernung, wenn es das strategische Ziel des Strainers ist, die unliebsame Person los zu werden, um diese Position mit einer gefälligen neuen Person zu besetzen. Bestrafung ist es dann, wenn „man“ sich für etwas rächen möchte, ein Exempel statuieren möchte. Und zu guter Letzt kommt noch die Blockierung. Dabei wird die geplante Karriere behindert bzw. unmöglich gemacht.

Straining, eine „neue“ Methode, die laut italienischen Studien viel häufiger im „Einsatz“ ist als Mobbing selbst.

Haben Sie auch Erfahrungen in dieser Richtung (Mobbing, Straining, Bossing, …) gemacht? Gute als auch schlechte Erfahrungen? Als Betroffene, als Begleiter oder sogar als Berater? Dann schreiben Sie uns doch Ihre Story an info@trainerkonzepte.de. In der nächsten Ausgabe werden wir uns mit diesem Thema ausführlicher befassen. Wir freuen uns auf Ihren Beitrag.

 

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